„Ballistol – Universalgenie oder doch nur Öl mit Selbstbewusstsein?“

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nargero
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Re: „Ballistol – Universalgenie oder doch nur Öl mit Selbstbewusstsein?“

#26 Beitrag von nargero »

Für die kurze Pause zwischendurch... Ballistol auf Reisen.

Die kleine Dose Ballistol und der Weg nach Panama

Teil 1 – Bis ans große Wasser

Es war einmal eine kleine Dose Ballistol.

Sie wohnte schon sehr lange in einer Garage, ganz hinten auf einem Regal, zwischen einer angebrochenen Flasche Motoröl und einer Kiste mit Schrauben, von denen niemand mehr wusste, zu welchem Motorrad sie einmal gehört hatten.

Die kleine Dose war damit eigentlich ganz zufrieden.

Manchmal wurde sie gebraucht, wenn ein Schloss klemmte. Manchmal bekam ein Bowdenzug einen kleinen Tropfen. Und einmal hatte jemand versucht, mit ihr einen hartnäckigen Fleck von einer Sitzbank zu entfernen.

„Dafür bin ich eigentlich nicht gedacht“, hatte die kleine Dose gesagt.

Aber niemand hatte sie gehört.

Direkt vor dem Regal stand eine große BMW. Sie war schon viel herumgekommen. Auf ihren Koffern klebten Aufkleber aus Italien, Österreich und sogar ein ziemlich zerkratzter aus Griechenland.

Die kleine Dose mochte die BMW.

Abends, wenn es in der Garage ruhig geworden war, erzählte die BMW manchmal von hohen Bergen, kleinen Straßen und Pässen, auf denen im Mai noch Schnee gelegen hatte.

Eines Abends fragte die kleine Dose:

„Sag mal, BMW – wo ist es eigentlich am schönsten?“

Die BMW dachte eine Weile nach.

„Panama“, sagte sie schließlich.

„Warst du schon einmal dort?“

„Nein.“

„Woher weißt du dann, dass es dort schön ist?“

Die BMW schwieg.

Motorräder machen das manchmal, wenn sie keine vernünftige Antwort wissen.

Am nächsten Morgen ging plötzlich das Garagentor auf.

Es wurde gepackt.

Eine Jacke, Handschuhe, etwas Werkzeug und schließlich auch die kleine Dose Ballistol.

Sie kam in einen Seitenkoffer. Dort waren schon ein Reifenflicksatz, zwei Kabelbinder und eine Rolle Isolierband.

„Guten Morgen“, sagte die kleine Dose höflich.

„Morgen“, sagte das Isolierband.

„Wo fahren wir hin?“, fragte sie.

„Keine Ahnung“, sagte der Reifenflicksatz.

„Hoffentlich weit“, sagte einer der Kabelbinder.

Kabelbinder sind meistens recht zuversichtliche Gesellen. Sie sind nämlich davon überzeugt, dass sich fast alles reparieren lässt, wenn man nur genügend Kabelbinder dabei hat.

Der Reifenflicksatz sah das anders.

Er erwartete grundsätzlich das Schlimmste.

Die BMW sprang an.

„Wir fahren nach Panama!“, rief die kleine Dose.

Der Reifenflicksatz seufzte.

„Das fängt ja gut an.“

Und so begann die Reise.

Sie fuhren über kleine Straßen und durch Dörfer, an Feldern und Wäldern vorbei. Manchmal ging es schnell, manchmal langsam und manchmal stand die BMW einfach irgendwo herum, weil ihr Fahrer einen Kaffee trinken wollte.

Die kleine Dose fand das alles sehr aufregend.

An einer kleinen Tankstelle begegneten sie einem alten Motorrad.

Es sah müde aus und hatte schon sehr viele Kilometer hinter sich.

„Mein Seitenständer quietscht“, sagte das alte Motorrad.

Die kleine Dose wurde sofort aufmerksam.

„Das kann ich!“

Ein kleiner Sprühstoß genügte.

Der Seitenständer bewegte sich wieder leise auf und ab.

„Vielen Dank“, sagte das alte Motorrad.

Die kleine Dose war sehr stolz.

„Vielleicht brauchen sie mich in Panama“, sagte sie später im Seitenkoffer.

„Bestimmt“, sagte der Kabelbinder.

„Vielleicht haben sie dort auch Nägel auf der Straße“, sagte der Reifenflicksatz.

Niemand antwortete ihm.

Am Nachmittag kamen sie an einem Bauernhof vorbei.

Dort stand ein alter Traktor am Straßenrand. Seine Motorhaube war geöffnet und ein Mann schaute hinein.

Die kleine Dose wurde aufgeregt.

„Vielleicht kann ich helfen!“

Die BMW hielt an.

Doch diesmal war etwas im Motor des Traktors kaputt.

Die kleine Dose Ballistol betrachtete die Sache eine Weile.

Dann sagte sie leise:

„Das kann ich nicht reparieren.“

„Nein“, sagte die BMW. „Das kannst du nicht.“

Die kleine Dose war ein wenig enttäuscht.

Der Kabelbinder wollte es trotzdem versuchen.

Aber auch er musste schließlich einsehen, dass sich nicht alles auf der Welt mit einem Kabelbinder reparieren ließ.

Das war ein ungewöhnlich stiller Moment für ihn.

Sie fuhren weiter.

Am nächsten Tag wurden die Berge kleiner und die Straßen gerader. Es kamen immer mehr Lastwagen. Die Luft roch irgendwann anders.

Ein bisschen nach Wasser.

Ein bisschen nach Schiffen.

Und ein bisschen nach Dingen, für die die kleine Dose keinen Namen kannte.

Dann standen sie plötzlich im Hamburger Hafen.

Die kleine Dose schaute aus dem geöffneten Seitenkoffer.

Überall waren Container. Kräne bewegten sich hoch über ihnen, Möwen flogen durch die Luft und auf dem Wasser lagen riesige Schiffe.

Vor ihnen lag eines, das besonders groß war.

Es war viel größer als die BMW.

Sogar viel größer als die Garage.

Die kleine Dose staunte.

„Fährt das nach Panama?“, fragte sie.

Die BMW schaute zu dem großen Schiff hinauf.

Früher hätte sie wahrscheinlich einfach „Ja“ gesagt.

Doch diesmal dachte sie eine Weile nach.

„Ich weiß es nicht“, sagte sie.

Eine Möwe landete auf dem Lenker.

„Panama?“, fragte sie. „Das ist weit.“

Die kleine Dose schaute zu ihr hoch.

„Ist es dort schön?“

Die Möwe legte den Kopf schief.

„Keine Ahnung“, sagte sie. „Ich war noch nie dort.“

Die BMW und die kleine Dose sahen sich an.

Dann mussten beide lachen.

Eine Weile schauten sie einfach nur über das große Wasser.

Irgendwo fuhr ein Schiffshorn.

Die kleine Dose dachte an die Garage. An das Regal. An die Flasche Motoröl und die Kiste mit den Schrauben, von denen niemand mehr wusste, wohin sie gehörten.

Und dann dachte sie an Panama.

Plötzlich quietschte hinter ihnen eine schwere Tür eines Hafenschuppens.

Quiiiietsch.

Die kleine Dose Ballistol wurde ganz still.

Dann drehte sie sich um.

„Habt ihr das gehört?“

Der Kabelbinder seufzte.

Die BMW wusste sofort, was jetzt kommen würde.

Und der Reifenflicksatz sagte:

„Ich hab's ja gewusst.“
"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut
haben"
– Alexander von Humboldt

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